Medical Gaslighting bei chronischen Schmerzen

Menschen mit chronischen Schmerzen erleben im medizinischen Alltag häufig, dass ihre Beschwerden nicht ernst genommen werden. Dieses Phänomen wird als Medical Gaslighting bezeichnet. Gemeint ist damit das wiederholte Infragestellen oder Bagatellisieren von Symptomen, etwa wenn Schmerzen als „psychisch“, „stressbedingt“ oder „nicht erklärbar“ abgetan werden.

Gerade bei chronischen Schmerzen ist die Diagnose oft komplex. Bildgebende Verfahren oder Laborwerte liefern nicht immer eindeutige Ergebnisse, obwohl die Betroffenen stark leiden. Das kann dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte die Schmerzen unbewusst relativieren oder vorschnell bewerten. Besonders häufig berichten Frauen und Menschen mit langjährigen oder unspezifischen Schmerzsyndromen von solchen Erfahrungen.

Die Folgen von Medical Gaslighting sind erheblich. Viele Betroffene verlieren das Vertrauen in medizinische Hilfe, zweifeln an sich selbst oder vermeiden weitere Arztbesuche. Dadurch können sich Schmerzen verfestigen, Begleiterkrankungen entstehen und die psychische Belastung zunehmen.

Wichtig ist deshalb eine medizinische Haltung, die zuhört, Unsicherheiten aushält und Beschwerden ernst nimmt – auch dann, wenn es keine sofortige Erklärung gibt. Schmerzen sind real, selbst wenn sie sich nicht eindeutig messen lassen.

Medical Gaslighting verstärkt das Leiden von Menschen mit chronischen Schmerzen. Eine empathische, patientenzentrierte Kommunikation ist entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und eine angemessene Behandlung zu ermöglichen. Chronische Schmerzen brauchen Zeit, Offenheit und Anerkennung – keine vorschnellen Bewertungen.